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Fensterheber im 911 Urmodell

Hier kommt mein über zwei Wochen Fehlersuche zusammen getragenes Wissen zu den Fensterhebern im 911 G-Modell. Mein “Model” ist ein 3.2 Carrera von 1987.

Die Wippen in der Tür schalten direkt den Strom für den Hebermotor, es läuft also eine relativ hohe Leistung darüber. Die Umkehr der Stromrichtung ist ebenfalls Sache der Schalter. Die Schalter sind lediglich in den Rahmen gesteckt, allerdings sitzen sie ziemlich fest. Ein scharfer Schraubenzieher ist nicht das richtige Werkzeug, besser eins aus Kunststoff benutzen.

Ohne den Zündschlüssel sind die Fensterheber zunächst nicht am Netz, allerdings schaltet ein Relais sie wieder zu, sobald eine der beiden Türen geöffnet wird. Das Relais sitzt im Kofferraum links neben der Lüftungsanlage, etwa ein Handbreit vor dem Öldruck-/Öltemperatur-Instrument. Wenn man darauf achtet, kann man es deutlich schalten hören, sobald man den Druckschalter zwischen den Türscharnieren mit dem Finger betätigt.
Es lässt sich trotz der versteckten Lage relativ leicht heraus ziehen und wieder einstecken.
Abgesichert ist die gesamte Fensterheberanlage mit 25A, die Sicherung ist die hinterste im Sicherungskasten.

Erfahrungsgemäß gibt es bei der Fehlersuche nichts, was es nicht gibt. Bei mir waren beide Schalter der Beifahrerseite und der rechte Türdruckschalter gleichzeitig defekt. Nachdem ich alle ersetzt hatte, gab zwei Tage später der Motor auf, wahrscheinlich kam er nach Jahren der Ruhe mit dem plötzlichen Stress nicht mehr zurecht. Schaltplan und Steckerbelegung der Wippschalter findet Ihr hier:

Wenn die Fenster sich nicht bewegen, ist ein Messgerät die beste Art, einem Problem auf die Spur zu kommen. Die mittleren beiden Sockel des Wippschalters (Nummern 1 und 2) bedienen den Motor. Wenn hier bei betätigtem Schalter eine Spannung anliegt und per Schalter invertiert werden kann, sind entweder der Motor oder die Kabel zwischen Schalter und Motor defekt.

Ist der Motor defekt, muss die komplette Fensterhebereinheit einschließlich Hebemechanik und Scheibenrahmen raus. Die Motor-Getriebeeinheit ist mit der Grundplatte des Fensterhebers verschraubt und lässt sich separat nicht abnehmen, solange sie noch in der Tür steckt.

Motor und Getriebe gibt’s als Neuteil nicht separat und die Einheit ist mit über 400 Euro ziemlich teuer. Offenbar hat Porsche ab 1987 für die letzten G-Modelle, 964 und 993 eine vereinfachte Variante des Fensterheberantriebs gebaut, denn es gibt eine preiswertere Alternative für 120 Euro für die Baujahre 1987 bis 1997. Ich habe die preiswertere Variante bei Youngtimer Parts gekauft, aber mein Auto besaß, trotz Baujahr 1987, die klassische Variante. Leider entsprechen sich die Bohrungen der Fensterhebermechanik und der neuen Getriebe nicht.

Ich habe daher den neuen Motor mit dem alten Getriebe kombiniert, was zumindest auf den ersten Blick gut funktioniert, siehe Bilder. Der Lauf der kombinierten Einheit ist in eine Richtung etwas rau, aber da wir hier von einem Preisunterschied von 300 Euro reden, kann ich damit leben.

Der Aus- und Einbau der Fensterhebereinheit ist keine Kunst und erschließt sich mehr oder weniger von alleine, wenn die Tür ohne Innenverkleidung vor einem steht. Hier ein paar Hinweise:
– Der Scheibenrahmen muss entfernt werden, dazu gibt es leider keine Alternative. Dessen vordere beiden Befestigungsschrauben dürfen beim Lösen auf keinen Fall in die Tür fallen, denn sie landen in einem separaten Hohlraum, in den kein Licht fällt und aus dem man sie kaum mehr heraus bekommt. Ask me how I know.

– Die Scheibe lässt sich von der Hebemechanik trennen, wenn ein Teil der Schrauben gelöst wird. Man beginnt mit diesen beiden

und löst dann alle anderen so weit, bis genügend Spiel im System ist, um die Rollen der Mechanik aus der Führungsschiene an der Unterseite der Scheibe zu ziehen. Danach kann man die Scheibe nach oben heraus ziehen. Vorher muss natürlich zumindest auf der Innenseite die Dichtung entfernt werden.

– Ist der Scheibenrahmen einmal entfernt, und sind Scheibe und Mechanik getrennt, besteht die Gefahr, dass die Scheibe irgendwo anschlägt. Gut, wenn man für diesen Schritt zu zweit ist.
– Legt einen alten Lappen unten in die Tür, denn die mechanikseitige Verzahnung verkratzt leicht den rostgefährdeten Türboden.

– Am leichtesten geht die Mechanik durch das untere Loch, wenn sie bereits vom Motor getrennt ist. Ich habe sie daher wie beschrieben gelöst und so in die Tür gelegt, dass die drei Schrauben, die Motor und Mechanik verbinden, leicht erreichbar sind. Den Motor kann man dann über die Öffnung der Lautsprecherbox heraus nehmen.

Der ganze Motorwechsel hat bei mir ungefähr einen halben Tag gedauert.
Am Ende erneuert man die Türfolie, näheres findet Ihr hier:

2 additional images. Click to enlarge.


4 responses to Fensterheber im 911 Urmodell

  1. Sehr coole Beschreibung, Johannes. Danke dafür!
    Aber zweierlei fiel mir auf: es ist kein Ur-Modell und seit wann ist Deiner jetzt rot? 😉

    LG, Peter

  2. @kartfahrer
    Jetzt hast Du mich! Umfasst der Begriff Urmodell nicht das G-Modell?

  3. weiss nicht 🙂
    Ich kannte die Reihenfolge so:
    Urmodell -> G-Modell -> 964 -> 993 -> Schluss

    LG, Peter

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