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Der große Unbekannte

“Nach dem 2.7er Modell des 911 erschien 1978 der SC. Der SC war das Modell für die wenigen Gusseisernen, die noch nicht von ihrem geliebten Luftgekühlten lassen konnten, obwohl Porsche doch bereits die Zukunft in Form des 928 mit wassergekühltem Frontmotor im Programm hatte. SC steht für Supercarrera, er sollte die Krönung der Baureihe sein, von der Porsche so lange so gut lebte. Anfang der Achtziger, so dachte man, könne man den 911 dann endgültig ad Acta legen. Konsequent war man mit dem krönenden Abschluss nicht, denn der SC bekam gerade einmal 180 PS, wohl nicht zuletzt, um den Hoffnungsträger 928 nicht in Bedrängnis zu bringen.”

Wir setzen diese Geschichte in Anführungszeichen, denn man kann sie so und ähnlich hundertfach lesen. Allein, sie übersieht einen wesentlichen Teil der 911-Geschichte. Es gab ein Modell zwischen dem 2.7er mit Magnesiummotor und dem vermeintlich letzten 911, dem SC: den Carrera 3.0. Das Porsche-Modellprogramm von 1976 enthielt den 2.7er Motor mit 165 PS, den Turbo mit 250 und eben jenen, von vielen übersehenen Carrera. In England nennt man ihn Carrera 3 und stellt ihn damit in eine Reihe mit 356 Carrera und dem fulminanten Carrera 2.7 RS.
Der 3.0 Carrera hat satte 200 PS und die Architektur seines Motors zeigt eine enge Verwandtschaft zum 930, natürlich ohne dessen Turbolader, und weniger zum 2.7. In auto, motor &sport 22/1975 spricht Gert Hack dem 3.0 im Vergleich zum 2.7 “wesentlich souveränere Leistungsentfaltung” zu und weiter: “Schon bei niedriger Drehzahl (3000 U/min) steht so viel Kraft zur Verfügung, dass sich allzu häufige Gangwechsel erübrigen”. Problematisch hingegen war beim 3.0 Carrera die Abgasqualität, amerikanische Grenzwerte konnten nicht erreicht werden. Fragen Sie bei einem 3.0 Carrera daher niemals “ist das ein US-Modell?”

Lediglich 3.678 Stück kamen am Ende zusammen und verglichen mit den 58.000 bzw. 76.000 Einheiten der beiden Nachfolger SC und 3.2 Carrera wirkt er damit wirklich wie das Sondermodell, für den man ihn heute hält. Das trifft nicht zu, der 3.0 Carrera ist eine Besonderheit in der reichen Modellgeschichte der 911, aber eine ganz und gar serienmäßige. Durch seine hohe Motorleistung überragt er die Modelle seiner Zeit, einschließlich seiner Nachfolger. Die robuste, für viel mehr Leistung ausgelegte Mechanik des Turbomotors macht ihn langlebig und als 911 der Siebziger Jahre trägt er gerne noch die unbeschreiblich lässigen Schottenkaros im Innenraum.

Ein sehr schöner 911 Carrera 3.0 steht derzeit bei Tramonti Diffusion Cars s.r.l. in Ravenna. Es handelt sich um ein ursprünglich deutsches Auto mit danach drei italienischen Besitzern. Das Auto wurde in Italien restauriert und wird für 89.000 Euro angeboten.

Pictures: Tramonti Diffusion Cars s.r.l., Ravenna

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