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Ferrari 250 LM

Die Schönheit der Sportwagen der Sechzigerjahre liegt in der Straßen- und damit Volksnähe ihrer Formen.
Bereits in den Siebzigern brachte die zunehmende Hinwendung zur Aerodynamik zunächst Zigarren mit Flügeln hervor. In den Jahren danach sagte sich die äußere Form eines Rennwagens unwiederbringlich von der Ästhetik los, warf sich bedingungslos der strömungsgünstigen Form in die Arme und gab damit die letzte Chance auf Zulassungsfähigkeit auf.
Nie mehr danach konnte man damit rechnen, dass ein Rennsieger vor einem Straßencafé hält. Obwohl die großen kommerziellen Erfolge der Karosseriedesigner Pininfarina und Giugiaro noch bevor standen, waren sie danach doch nur Industriedesign. In den Sechzigern waren sie das letzte Mal Skulptur und damit reine Kunst.
Der Ferrari 250 LM ist das Auto, das diese Entwicklung auf den Höhepunkt trieb, der Manierismus dieser Kunst. Während sein Vorgänger 250 GTO, zweifellos eine Ikone wie der LM, trotz aller Zeitlosigkeit noch an die Proportionen der Nachkriegszeit andockt, ist der LM auf Grund seines Mittelmotors radikal neu. Ohne Vorbild, nach dem er sich zu zu richten hätte, lässt Meister Pininfarina eigene Formen entstehen und obwohl Lufteinlässe die Linie aufreißen, bleibt sie voll und ganz italienischer Harmonie verpflichtet.
Alle naheliegender Lösungen schienen schon im GTO und SWB vergeben und so flüchtet sich das Design ins Extravagante.

Und was für eine Geschichte uns der LM frei dazu liefert!
Ferrari konnte 1965 nicht die für eine Homologation für die Sportwagenklasse geforderten 100 Stück absetzen. Es gibt keine Quellen, die bestätigen würden, dass die Käufer Pininfarinas Kunstwerk Mitte der Sechzigerjahre noch als zu abgehoben empfanden, und doch liegt der Verdacht nah.
Es blieb keine andere Wahl, als ihn in Le Mans in der Klasse der Prototypen antreten zu lassen. Natürlich gewann er den Gesamtsieg trotzdem.
Den letzen Baustein für den Mythos um dieses Auto liefert die Tragödie eines Mannes: als Masten Gregory in den Nachtstunden des Rennens an die Box fuhr, war der zweite etatmäßige Fahrer, Jochen Rindt, nicht auffindbar. Ob Gregory planmäßig pausieren wollte oder nicht, ob er auf Grund seiner Kurzsichtigkeit pausieren musste oder nicht, und ob Rindt zu spät kam oder nicht und weiß Gott wo er sich herum trieb: er war nicht auffindbar und ein Fahrer namens Ed Hugus sprang in das Auto, so behauptete dieser später. Der Ferrari fuhr Sekunde um Sekunde heraus und Ed war wohl einer von drei Fahrern, die an diesem Tag am Steuer des 250 LM mit der Nummer 21 saßen. Ein Regelverstoß, der das Team um den Sieg gebracht hätte.
Ed ist bis heute in keiner Siegerliste zu finden, alles weitere ist Legende.
Die Aufnahmen des unrestaurierten Ferrari stammen vom Petersen Museum in Los Angeles aus dem August 2017.

7 additional images. Click to enlarge.


1 response to Ferrari 250 LM

  1. Ein absoluter Traum! Abgesehen von der einzigartigen Form gefallen mir besonders die Lederverschlüsse….

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