Profile Photo

  • 61 articles
  • 2,651 karma
  • 10 friends

Shark Attack

Die Transaxle-Porsche sind am Kommen. Mit jedem Jahr, das vergeht, müssen sie weniger Nachfolger oder misslungener Ersatz sein, sondern dürfen mehr und mehr für sich stehen. Und da über die Entstehungsgeschichte des 928 erst kürzlich ausführlich in GrandRetro gesprochen wurde, werden wir versuchen, diesen Artikel komplett ohne die Zahl mit der Elf auszukommen. Warum sollten wir sie auch nennen? Porsche wollte in den Siebzigern “ein größeres Stück vom Kuchen” wie Vertriebsvorstand Lars Schmidt es ausdrückte. BMW machte mit der 6er Reihe vor, wie das funktioniert und Mercedes mit den S-Klasse Coupés. Der 928 war als schneller, komfortabler Reisesportwagen gedacht und nicht als kompromissloser Racer.
Beginnen wir mit dem Design. Der 928 steht tief auf der Straße. Die flache, angespitzte Front lässt im Profil an einen Hai denken – eine Designidee, die bis heute jeder Porsche fortführt so gut er kann. Niemand wäre in den Siebzigern noch auf die Idee gekommen, ein neues Design mit Scheinwerferdomen zu versehen und daher führte man der Hainase wegen Klappscheinwerfer ein. Eine stark nach vorne geneigte C-Säule lässt das Türfenster zu einem beinahe symmetrischen Trapez mit gepfeilten Seiten werden. Zusammen mit den elegant in die Länge gezogenen Radausschnitten trägt sie zur Extravaganz bei, die Anatole Lapide bewusst suchte. Der 928 sollte den Kunden Porsche-übliche 15 Jahre lang gefallen und ihm war klar, dass ein Design, das zum Produktstart schon alle anmacht, seinen Zenit zu schnell überschreiten würde.
Porsche-Design soll für funktionale Effizienz stehen und so gibt es separate, in die Karosserie eingesetzte Front- und Heckteile, was Unfallreparaturen vereinfacht. Die dazugehörigen Karosseriefugen sind ausdrucksstarke Gliederungselemente.

In seiner ursprünglichen, nicht modellgepflegten und nicht mit Spoilern behangenen Form wirkt der 928 auf mich wie großartiges Produktdesign, so als gehöre er neben einem Apple 2 und einer Stereoanlage von Braun abgebildet und weniger neben Countach und 288 GTO. Kein Zufall, dass Steve Jobs 928 fuhr.

Technisch steckte viel Innovatives in ihm: Transaxle-Getriebe, mitlenkende Hinterachse, im Aluminium des Motorblocks laufende Zylinder. Allerdings scheinen die Neuigkeiten eher auf den Ruhm der zuständigen Ingenieure hinzuwirken und weniger auf den Kundennutzen, denn eine Achslastverteilung von 50 zu 50 Prozent schaffte BMW auch ohne die schwere Welle zwischen den Achsen und wirklich leicht war der 928 nie. Und schnell auch nicht. Der ursprünglich geplante Hubraum wurde der Ölkrise wegen nach unten korrigiert und so kamen am Ende nur beschauliche 240 PS bei knapp 1,5 Tonnen zusammen. Der Motor läuft untenrum kultiviert und schiebt angemessen, oben geht ihm schnell die Luft aus.

Das Cockpit könnte auch aus einem Mazda sein, aber immerhin hatte Porsche so etwas vor den anderen. Sitze, Polster und Teppich hingegen lassen Porschefans voll auf ihre Kosten kommen.

Als Klassiker ist der 928 eine Schweizer Bank: man bringt zwar regelmäßig größere Summen hin, aber es hält sich. Die Preise haben angezogen, sind aber wohl langfristig weiter am Steigen im Gegensatz zum überhitzten Markt luftgekühlter Porsche.
Die Rechnung für den Zahnriemenwechsel bei 80 TKM gehört definitiv in den Ordner. Eine Bremsenerneuerung vorne kostet mit Sätteln und Scheiben aberwitzige 3.000,- Euro und eine Getriebeerneuerung ebenso. Die gute Nachricht: dem Motor kann man bei einem schön gefüllten Wartungsordner bedingungslos vertrauen.
Kehren wir zurück zu Vertriebsvorstand Schmidt: “wir sind hoch erfreut” ließ er sich in Auto, Motor & Sport 25/77 zitieren, denn Porsche hatte bei der Produkteinführung volle Auftragsbücher und Lieferfristen von bis zu 9 Monaten. Alles schien so gut zu beginnen.

Unser Auto steht bei Adelmann in Berlin in der Classic Remise.

17 additional images. Click to enlarge.


3 responses to Shark Attack

  1. Never did care for white, but Porsche made a champagne metallic that the 928 and 944 both look fantastic in! (Especially with the brown interiors!)

  2. Das originale Design ist tatsächlich begeisternd, wenn nur nicht der 928S mit 300 PS locken würde. Dann müsste man sich allerdings den Spoiler wegdenken.

  3. Wundervolles Auto. Nachlackiert oder komplett neu lackiert?

Leave a Reply