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Alfa Romeo in der Formel 1

Man wird das Gefühl nicht los, dass Alfas Rückkehr in die Formel 1, die heute durch die Presse geistert, eine dieser Marketing-Kampagnen ist, mit der große Firmen uns traktieren.
Die Nachricht, die Alfa-Fans auf der ganzen Welt in hellen Aufruhr versetzt, hat wohl doch mehr mit den Jungs mit Krawatten und den Mädchen mit Bleistiftröcken zu tun, als mit Benzin, Öl, Stahl und meinetwegen auch mit Carbonmatten. Am Ende wird das Sauber-Team seine Autos dieses Jahr in den Alfafarben lackieren und Ferrari wird Sauber seine Motoren in einer frischeren Version zur Verfügung stellen. Nichts desto trotz, nehmen wir die Nachrichten zum Anlass, um auf Alfas glorreiche Grand Prix Geschichte zurück zu blicken.

Zurück zu den Anfängen. Die Modelle P1, P2 und P3 begründeten in den Zwanzigern eine phänomenale Renntradition der Marke mit zahllosen Siegen in Grand Prix Rennen, die damals noch nicht Formel 1 hießen. Die Autos folgten dem Designkonzept Zigarre auf Rädern und die Fahrer saßen eingezwängt zwischen gigantischen Benzinfässern und stählernen Motormonstern, mehr auf dem Auto, als in ihm. Jeder Überschlag zog unausweichlich den Tod nach sich und es wird mir nie eingehen, weshalb nicht schon einer der frühen Konstrukteure auf die Idee eines Überrollbügels kam. Wenn schon nicht aus Respekt vor dem Leben, dann wenigstens, um nicht dauernd wertvolle Fahrer ersetzen zu müssen. Drei, die überlebten: Rudolf Caracciola, Tazio Nuvolari und ein gewisser Enzo Ferrari.

Bis 1934 hielt die Alfa-Vorherrschaft an, dann kamen die deutschen Silberpfeile und Alfa sah sich erstmalig einer Konkurrenz gegenüber, der man sich am Ende geschlagen geben musste. Der Alfa jener Zeit war der 158, ein Auto deutlich durchkonstruierter als die P-Modelle, flach, geduckt kauernd, berstend vor Kraft und Dynamik und bereits mit starken Anklängen des italienischen Formgefühls, das die Alfisti bis heute umhaut. Von Alfa Romeo gebaut, aber zunehmend von externen Rennteams eingesetzt, machten die privat betriebenen Alfas dem Stammhaus Konkurrenz und als eines von ihnen erstmals gewinnen konnte, sagte der Eigentümer: „Ich habe meine Mutter umgebracht.“
Seine Name war Enzo Ferrari und er betrieb von 1929 bis 1939 eine sog. Scuderia, die mit Alfas Rennen fuhr.

Der Krieg bedeutete zunächst das Ende des Rennsports. Als sich nach ersten Grand Prix Veranstaltungen 1947 im Jahr 1950 unter dem Namen Formel 1 eine neue Weltmeisterschaft heraus bildete, war die Vorkriegskonstruktion 158 immer noch ein hoch modernes Auto und gewann als weiter entwickelte 159-Variante zwei mal den Weltmeistertitel. Der Name, den wir dazu kennen müssen, heißt Juan Manuel Fangio, der seinen ersten von fünf Titeln auf Alfa Romeo einfuhr.

In den Siebzigern sollte die bis dahin zur Weltmarke gereifte Firma in den Grand Prix Sport zurück kehren und gemessen an den unvergleichlichen Straßenautos dieser Zeit, hätte man sich erneute Triumphe wünschen dürfen. Doch es hatte bereits die Zeit des Abstiegs und der Enttäuschungen begonnen und es bleib bei ein paar vereinzelten Siegen ohne Titel. Alfa baute einen zwar leistungsstarken aber großen, schweren und sehr durstigen Zwölfzylinder 180-Grad V-Motor, der 1976 bis 1979 Ecclestones Brabhams antrieb. Eine merkwürdig schräge Besonderheit lässt sich dieser Ära zuschreiben: das berühmte Staubsaugerauto BT46B. Ein riesiger Ventilator im Heck der Konstruktion von Gordon Murray saugte angetrieben vom Motor Luft unter dem Chassis ab und erzeugte damit Anpressdruck mit der Konsequenz von gemessen an den Möglichkeiten der Zeit absurd hohen Kurvengeschwindigkeiten.

Der BT46B gewann mit Niki Lauda als Fahrer das einzige Rennen, das er je bestritt. Das Prinzip wurde schnell verboten und seinen wir dankbar dafür, denn dass irgendwann irgendein Fremdkörper die fragile Konstruktion zerschossen hätte, ist so gut wie sicher. Ohne Anpressdruck wäre ein Staubsaugerauto in Sekundenbruchteilen unbeherrschbar geworden und gnadenlos abgeflogen.

Mit Alfa Romeo ging es weiter bergab. Der 179, ab 1980 in Marlboro-Lackierung, setze den Sturzflug der Marke fort und mit der Übernahme durch Fiat beendeten die Agnellis das Alfa-Abenteuer in der Formel 1 zugunsten ihres anderen Zukaufs: Ferrari.
Der 179 war nicht einmal langsam und zudem ein extrem gut aussehendes Auto, nur leider chronisch unzuverlässig.

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3 responses to Alfa Romeo in der Formel 1

  1. Super Fotos und toller Artikel!
    Zum Staubsauger: ein weiteres Problem war, dass die Hinterherfahrenden den ganzen D***k voll ins Gesicht bekamen. Auch nicht so toll.
    Und auch die späteren Ground Effekt Autos hatten das Problem, dass eine Bodenwelle oder der Randstein den Unterduck unter dem Auto schlagartig veringern konnte – mit den genannten Folgen.

    • Danke, Peter!
      Ja, der Staubsauger war ein Irrweg. Die ganze Idee ist derart merkwürdig, dass man so eine Konstruktion einfach nicht haben möchte. Interessant finde ich, dass die Namen Ecclestone, Murray und Lauda in diesem Auto zusammenfanden.

  2. Das aufgeklebte Alfa-Herz unter der 22!!!

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