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Hey, Little Sister – Porsche 914

Ein erfolgreiches Autoprojekt weckt Begehrlichkeiten im Management. Der 911, die DS, die Mercedes Mittelklasse, Ferraris 12-Zylinder, Fiats erstes Auto der Neuzeit, der Ritmo, BMWs 6-Zylinder und V8-Modelle und Alfas formidable Giulia-Serie, sie alle bekamen eine kleine Schwester. Eine kleinere Version für diejenigen, welche die Marke lieben. Ein Kaufreflex für Fans, die sich das Original nicht leisten können. Einige der kleinen schafften es nie, der großen Schwester das Wasser zu reichen, einige brachten ihre Marken erst richtig in Schwung, einige übertrumpften ihre Vorbilder bei weitem und wurden die neuen Autoikonen ihrer Zeit.
Teil 1 – Porsche 914.
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Das Projekt 914 stammte aus einer Zeit, in der Verträge noch per Handschlag gemacht wurden – zumal, wenn alte Buddies wie VW und Porsche zusammen arbeiteten. Wieso sollte man Anwälte bezahlen, wenn die Patriarchen ihre Kinder verheirateten, beinahe wie im Haus Habsburg? VW-Chef Nordhoffs Tochter Elisabeth wurde die Frau von Ferrys Neffen Ernst Piech, an Weihnachten traf man sich ja eh.
Die ursprüngliche Vereinbarung zum 914 beinhaltete eine VW- und eine Porsche-Variante derselben Konstruktion. Jedoch, als Heinrich Nordhoff im Frühjahr 1968 verschied, schien sein Nachfolger Kurt Lotz wenig Gefallen am ursprünglichen kaufmännischen Set-up zu finden und man einigte sich am Ende einer Neuverhandlung auf die Vermarktung eines gemeinsamen 914. Die Idee des VW-Porsche war geboren.
Selten wurde über dieses Auto gesprochen ohne ein „aber“ im Satz.

Vollständige Kundenverunsicherung erreichte man, indem Porsche eine 6-Zylinder-Version nachschob, die auf das „VW“ im Fahrzeugbrief verzichten durfte, aber den 914 in den USA grundsätzlich als „Porsche“ anbot. Sehen Sie? Es geht nicht ohne „aber“.
Der Erfolg der Markenmelange blieb insgesamt bescheiden. Das kleine Mittelmotor-Coupé wies zwar gute Fahreigenschaften auf und wurde als Vierzylinder für einen vernünftigen Preis angeboten. Im 914 bekam man achtzig PS für 11.995,- Mark, Alfa wollte im Duetto für 130PS 12.990,-, Triumph im TR4 12.750,- für 100 und Fiat 10.980,- für 90. Führt man sich allerdings vor Augen, dass der aus dem VW 411 übernommene Motor nicht gerade eine Offenbarung moderner Technik war, und die von Karmann gelieferte Karosserieverarbeitung eher bescheiden, bleibt die Zurückhaltung der Käufer nachvollziehbar.
Porsches 914/6 mit dem eigenen Sechszylinder durchstieß mit ein paar Extras die Zwanzigtausend Mark Grenze und lag damit für die Kunden zu nah am 911. Die Stuttgarter konnten, wollte man überhaupt etwas am Einstiegsauto verdienen, den Preis nicht weiter senken, denn die Herstellkosten der Karosserie lagen nach allen Porsche-spezifischen Verbesserungen kaum unter jenen des 911.

Ein halbes Jahrhundert später hat der 914 eine Existenz als Klassiker mehr als verdient. Der zentrale und niedrige Schwerpunkt erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten, die großen Kofferräume vermeiden, dass vor Reisen um jedes paar Schuhe eine Diskussion geführt werden muss.

Der Innenraum des 914 und viele schön gemachte Karosseriedetails versprühen bestes Porsche-Gefühl und die fantastischen Farben der Siebziger ebenso.
Wie die kleine Schwester 914 heute auf der Straße steht – kantig, kräftig und flach – ist sie immer noch eine sehr gute Partie.

Bilder: Porsche.

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1 response to Hey, Little Sister – Porsche 914

  1. Beachtlich auch die Siebziger Farben der Bikinis.

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